International Postgraduate Medical Training / IPMT
I) Sinnes- und Denkschulung als Grundlage neuer diagnostischer Fähigkeiten
2. Nach einer kurzen Einführung in die phänomenologische Arbeitsweise nach J. W. v. Goethe (1749-1832) im Plenum wird die Arbeit in kleinen Gruppen mit praktischen Beobachtungsübungen fortgesetzt. Von Goethe stammt der Aphorismus:Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nicht erblicken.
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken.
Wir kennen im Bereich der Aggregatzustände der Naturerscheinungen vier Zustände - oder im Sinne der aristotelischen Meteorologie vier Elemente: den festen Zustand der Materie (Gesetze der Mechanik), den flüssigen Zustand der Materie (Gesetze der Hydraulik), den gasförmigen Zustand der Materie (Gesetze der Aerodynamik) und den materiell nicht mehr beschreibbaren reinen Wärmezustand der Materie (Gesetze der Thermodynamik). Diese stehen nach Goethe in unmittelbarem Zusammenhang mit den inneren Erlebnissen und Tätigkeitsmöglichkeiten von Seele und Geist des Menschen. Goethe hat diesen Tatbestand durch sein ganzes Lebenswerk hindurch beschrieben. Wir können ihn auf die kurze Formel bringen: Gleiches erkennt Gleiches, oder: So wie sich das Auge am Licht für die Wahrnehmung des Lichtes bildet und ein gesundes Fußskelett sich nur durch das Gehenlernen entwickeln kann, also jedes Organ sich an seiner Funktion erst zur Funktionstüchtigkeit ausbildet, so kann nur dasjenige vom Menschen wahrgenommen und verstanden werden, was er in irgendeiner Form auch selber erleben, fühlen, denken kann. Demgemäß hat Goethe auch seine ethisch-religiöse Lebenshaltung formuliert: Man lernt nur kennen, was man liebt. Die Liebe als Erkenntniskraft auszubilden und so eine spirituelle Empathie zu erüben, ist ein weiteres Ziel dieser Arbeit. Goethe nannte diesen Prozess: Die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig machen.
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